Die Historikerin und Germanistin Karin Briner kennt die spannenden Seiten des Schaffens in und um Winterthur – wortwörtlich. Sie sammelt und bibliografiert für die Sammlung Winterthur der Winterthurer Bibliotheken alles über die ehemalige Arbeiterstadt. Für unsere Ausstellungszeitung hat sie ein paar Bücher-Tipps zusammengetragen, von denen wir die Top 3 hier auch gerne online präsentieren. 

FOTOALBUM DER FIRMA GEBENDINGER & HÖRNI – Fourage Geschäft in Oberwinterthur (1902)

Winterthur wird in erster Linie wegen der weltbekannten Schwerindustrie als Arbeiterstadt bezeichnet. Neben Sulzer, Rieter und SLM gab es in Winterthur aber auch andere kleinere, bekanntere oder unbekanntere industrielle Betriebe. Zum Beispiel die erste Schuhfabrik der Schweiz, die 1847 in Winterthur gegründet wurde. Oder auch die Firma Gebendinger & Hörni in Oberwinterthur, die um 1900 begann, Heu für ihre Pferdefutterproduktion maschinell zu verarbeiten, und damit über längere Zeit sehr erfolgreich war. Erst im Laufe des Ersten Weltkrieges brach der Umsatz wegen des Aufkommens motorisierter Transportmittel ein. Die Firma stieg in der Folge auf heute fast nicht mehr bekannte Produkte wie Strohseile, Strohmatten oder Strohschirme um. Im reich bebilderten Fotoalbum – es ist nur eines von vielen Firmenportraits, die in der Sammlung Winterthur vorhanden sind – finden sich zahlreiche Abbildungen der längst vergessenen Arbeitsstätten

Fotoalbum der Firma Gebendinger & Hörni – Fourage Geschäft in Oberwinterthur (1902), ALBU 1.005, Sammlung Winterthur

EISENSTERNE

Im November 2017 stellte Roland M. Begert seinen Roman «Eisensterne» in der Stadt-bibliothek Winterthur vor gefülltem Saal einem interessierten Publikum vor. Begert, der als Heim- und Verdingkind aufwuchs, später zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften promovierte und dann 30 Jahre als Gymnasialehrer tätig war, erzählt nicht ohne Witz von seinem harten Schicksal und wie er mit 16 Jahren gezwungen wurde, in die Industriehochburg Winterthur zu ziehen und eine Lehre als Giesser bei Sulzer zu machen. Eindrücklich schildert er in seinem Roman den harten und bisweilen sehr gefährlichen Arbeitsalltag als Fabrikarbeiter in Winterthur. Der Blick des Zeitzeugen Begert auf die Welt der Industriearbeit in Winterthur Mitte des 20. Jahrhunderts ist für Winterthur in dieser Form einzigartig.

Eisensterne. Roman. Von Roland M. Begert. Edition Liebefeld, 2017. 272 Seiten

Veranstaltungs-Tipp:

Lesung im museum schaffen – Der Autor Roland M. Begert ist mit seinem Roman «Eisensterne» auch im museum schaffen zu Gast: Am Samstag, 26. Mai 2018, liest er im Rahmen des «Sulzer Spezial»-Tages in der Lokstadt Halle Rapide. Start: 14:00 Uhr.

KATALOG DER BEZIRKS-GEWERBEAUSSTELLUNG IN WINTERTHUR 1924

Anfangs des 20. Jahrhunderts existierte in Winterthur ein vielfältiges Angebot an landwirtschaftlichen, handwerklichen und gewerblichen Betrieben. Der Katalog der Gewerbeausstellung von 1924, der anlässlich der «Kantonalen zürcherischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gartenbau» herausgegeben wurde, dokumentiert die Fülle der verschiedenen Arbeitszweige. Die Ausstellung, die auf dem Gelände des Technikums (ZHAW) stattfand, war die bis dahin grösste Ausstellung zum Thema Arbeit im Kanton Aussteller präsentierten ihren Wirtschaftszweig. Das ging vom Feld- und Gemüseanbau über die Jagd und Fischerei bis hin zu Bienenzucht und Vogelschutz. Neben den Industriehallen, wo die Errungenschaften der Industrie von ihrer besten Seite gezeigt wurden, präsentierte sich Gewerbehalle mit Arbeiten von Malern, Tapezierern und Plätt-lilegern, aber auch Keramikern, Kunstmalern und Architekten. Wie bereits bei der Lancierung der Broschüre beabsichtigt, gibt diese auch heute noch Einblick in die Vielfältigkeit des damaligen Winterthurer Schaffens.

Bezirks-Gewerbeausstellung Winterthur 1924. Buchdruckerei Winterthur vormals G. Binkert AG. 112 Seiten

Die Winterthurer Bibliotheken sind das Bibliothekssystem der öffentlichen Bibliotheken der Stadt Winterthur. Hierzu gehören die Stadtbibliothek, die Sammlung Winterthur mit den Spezialsammlungen sowie sechs Quartierbibliotheken. Die erste Bibliothek (dazumal «Bürgerbibliothek») wurde bereits im Jahr 1660 und von vier Exponenten aus dem Musikkollegium gegründet. Heute bieten die Winterthurer Bibliotheken auch die Mög-lichkeit, Leute zu treffen, Ideen auszutauschen, an eigenen Projekten zu arbeiten, aktuelle Medien zu geniessen, Events zu erleben und vieles mehr.

Bücher-Tage im museum schaffen –  am 25. und 26. August 2018 präsentieren die Winterthurer Bibliotheken in der Lokstadt Halle Rapide ein Bücher-Buffet zum Thema Arbeit. Interessierte sind eingeladen, vorbeizukommen und in zahlreichen «spannenden Seiten des Schaffens» zu stöbern.